Ich erinnere mich nicht an den Aufprall. Ich erinnere mich nur an den Asphalt – und dann an nichts mehr.
Im Krankenwagen kam ich kurz wieder zu mir, dann wieder lange nicht.
Als ich erwachte, lag ich in einem Krankenzimmer, das Licht hatte sich verändert, genug Zeit war vergangen.
Eine Krankenschwester erklärte mir, dass ich eine gefährliche Menge Blut verloren hatte. Mein Bluttyp, AB negativ, war selten, das Krankenhaus hatte nur begrenzte Vorräte, und meine Lage war kritisch. Zum Glück fanden sie einen Spender.
Chris war im Zimmer. Er sah aus wie ein Mann, der große Angst gehabt hatte und noch immer von ihr erschöpft war.
Ich schloss die Augen. Ich wollte etwas sagen, konnte aber nicht. Nur ein Wort glitt wie ein leises Gebet über meine Lippen: Susan.
„Sie sitzt gerade im Flur“, sagte Chris leise. „Sie sitzt dort seit zwei Stunden. Sie hat dein Leben gerettet. Sie war die Spenderin.“
Susan saß auf einem Plastikstuhl im Flur vor meinem Zimmer, und ich dachte an alles, was sie mir in den letzten Tagen gesagt hatte. Sie saß da, wie man bei etwas Schmerzhaftem sitzt – nicht davonlaufend, sondern es einfach annehmend.
Sie blickte lange zur Tür meines Zimmers. Unsere Augen trafen sich kurz, bevor die Erschöpfung mich zurück in die Dunkelheit zog.
„Sie hat dein Leben gerettet.“
Beim zweiten Erwachen war das Licht anders. Weicher, später am Tag.
Susan saß auf dem Stuhl neben meinem Bett.
Sie schlief nicht. Sie beobachtete mich mit der vorsichtigen Aufmerksamkeit von jemandem, der lange auf etwas gewartet hat und nun nicht genau weiß, was er tun soll, weil es endlich da ist.
Ich versuchte, ihren Namen zu sagen, und brachte fast etwas Ähnliches heraus.
Sie beugte sich vor. Dann umschlang sie mich vorsichtig mit beiden Armen, so wie man etwas Zerbrechliches hält, und drückte ihr Gesicht an meine Schulter.
Das Geräusch, das sie von sich gab, war das tiefe, erleichterte Weinen von jemandem, der etwas sehr Schweres ablegt.
Ich konnte meine Arme noch nicht richtig heben, aber eine Hand legte ich auf ihren Rücken und hielt sie fest.
Susan erzählte mir, dass sie plötzlich Leute hinter sich habe schreien und rennen sehen. Als sie sich umdrehte und mich am Boden sah, sagte sie, sie sei noch nie so schnell in ihrem Leben gerannt.
„Ich habe den Brief gelesen“, fügte sie nach einer Weile hinzu, ihre Stimme gedämpft gegen meine Schulter. „Ich habe ihn dreimal gelesen.“
Ich sagte nichts.
„Ich vergebe dir noch nicht“, fügte sie hinzu. „Aber ich will dich auch nicht verlieren.“
Ich sagte ihr, das sei genug. Mehr als genug.
„Ich will dich nicht verlieren.“
Chris fuhr uns erst gestern nach Hause. Susan saß auf dem Rücksitz neben mir, ihre Schulter an meine gelehnt, so wie sie damals mit 12 saß, als wir uns gerade kennengelernt hatten.