Opa starb an einem stillen Dienstagmorgen.
Die Krankenschwester rief mich um 6:30 Uhr an. Mit Tränen in den Augen fuhr ich ins Krankenhaus.
Als ich ankam, war er bereits gegangen.
Karen tauchte eine Stunde später auf und schenkte ihm kaum einen Blick.
Stattdessen fragte sie mich: „Und was passiert jetzt mit seinem Haus?“
Ich starrte sie an. „Karen, Opa ist gerade gestorben.“
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich frage nur.“
In diesem Moment zerbrach etwas in mir.
Trotzdem versuchte ich ruhig zu bleiben.
Opa hätte das gewollt.
Für ein paar Tage nach seinem Tod sprach Karen kaum mit mir. Dann rief sie plötzlich an.
Ihre Stimme klang scharf und selbstsicher.
„Ich organisiere die Beerdigung“, verkündete sie. „Du kommst besser nicht. Opa wollte dich nicht sehen; er hat dich überhaupt nicht geliebt.“
„Wovon redest du?“ fragte ich ungläubig.
„Er hat es mir selbst gesagt, bevor er starb“, schnappte sie.
„Das stimmt nicht.“
Sie lachte, und ehe ich nachfragen konnte, legte sie auf.
Am nächsten Tag rief Karen erneut an. Ich hätte fast nicht abgenommen, aber vielleicht wollte sie sich entschuldigen.
Zum Glück tat ich es, denn diesmal klang sie freundlich, als hätte sie sich besonnen.
Sie bestand immer noch darauf, die Beerdigung zu organisieren, gab mir aber das Datum. Ich dachte, wir würden einen Schritt vorankommen.
Zwei Tage später klingelte mein Telefon erneut. Eine unbekannte Nummer.
„Hallo?“
„Guten Morgen. Spreche ich mit Emily?“
„Ja.“
„Mein Name ist Ben. Ich bin der Anwalt Ihres Großvaters.“
Ich richtete mich auf.
„Oh, hallo.“
Er fuhr fort: „Ich möchte mit Ihnen über das letzte Testament Ihres Großvaters sprechen.“
Mein Herz zog sich zusammen.
„Emily, Ihr Großvater hat sehr genaue Anweisungen hinterlassen. Tatsächlich wollte er, dass Sie diejenige sind, die sein Testament vorliest.“
Ich blinzelte.
„Ich?“
„Ja.“
Dann sagte er etwas, das mein Herz schneller schlagen ließ.
„Ich erwarte, dass Sie heute bei der Beerdigung sind.“
Ich hätte das Telefon fast fallen lassen.
„Was?!“
Das Kirchparkplatz war schon voll, als ich ankam.
Drinnen spielte leise Musik, während die Leute auf den Bänken flüsterten.
Dann sah ich Karen.
Sie stand vorne, mit einem breiten Lächeln.
Sie wirkte nicht traurig, eher begeistert, als würde sie feiern.
Als sie mich entdeckte, verschwand ihr Lächeln. Ihre Augen weiteten sich vor Schock.
Sie stürmte auf mich zu. „Was machst du hier?!“ schrie sie.