„Mic, ich kann es am Telefon nicht erklären,“ sagte sie mit gespannter Stimme. „Ich brauche dich dort – wo sie nicht vor Zeugen ihre Lügen wieder aufschreiben kann.“
Ich sank auf das Sofa, starrte auf das Kleid. „Geht es dir gut? Verschweigst du mir etwas?“
„Mir geht es gut, Liebling,“ sagte sie zu hastig. „Ich kann nur nicht zulassen, dass sie auch das nimmt.
Bitte. Du wirst es bald verstehen.“
Der Anruf endete, bevor ich mehr fragen konnte. Ich saß da, das Kleid auf meinem Schoß, ließ die Seide durch meine Finger gleiten.
Wollte ich wirklich Teil davon sein?
Das Schwierigste war nicht das Kleid.
Es war, wie Elena klang – wie jemand, der am Rand eines Abgrunds steht, und ich konnte nicht erkennen, wohin sie fallen würde.
Ich dachte an die frühen Tage mit Mark, daran, wie Elena für mich gekocht hatte, wie sie mir Fotos ihrer Tochter Clara gezeigt hatte,
ihr Gesicht weich vor Trauer.
Ich schuldete ihr etwas.
Die nächsten drei Tage verschwammen in einem Strudel von Nerven.
Ich zog das Kleid an, lief in meiner Wohnung auf und ab. Ich rief meine beste Freundin Nicole an und erzählte ihr alles.
„Was, wenn das eine Falle ist? Was, wenn ich nur durch mein Erscheinen den Tag ruiniere?“
Nicole lachte leise.
„Wenn Elena darum bittet, gibt es einen Grund. Aber hör zu – wenn es schiefgeht, werden sie dich als die verrückte Ex abstempeln.
Bleib selbstbewusst und vertraue ihr. Sie liebt dich wie ihre eigene Tochter.“
Am Morgen der Hochzeit machte ich mein Make-up zweimal neu.
Ich steckte mein Haar hoch, die Hände feucht, und betrachtete mich im Spiegel.
„Du machst das nicht für Mark, Mic,“ flüsterte ich. „Du machst es für Elena. Für dich selbst.“
Beim Betreten des Veranstaltungsorts wollte ich fast umkehren. Kaum hatte ich den Raum betreten, verstummte er.
Köpfe drehten sich. Flüstern ging durch die Reihen.
Ich sah Mark quer durch den Saal, Verwirrung blitzte über sein Gesicht. Er sah mich an, als würde ich nicht zu dem Leben gehören, in dem er stand.
Ich fand Elena vorne. Sie griff nach meiner Hand, drückte sie sanft.
Als ich mich bewegte, streifte die innere Naht des Kleides meine Haut – winzige gestickte Initialen, die ich zuvor nicht bemerkt hatte:
C.M. Mein Hals zog sich zusammen.
„Du siehst perfekt aus,“ murmelte sie. „Danke, dass du mir vertraust, Liebling.“
„Elena, was passiert hier wirklich?“ fragte ich leise.
Sie lächelte schwach. „Du wirst es sehen.“
Ihr Daumen tippte einmal auf ihr Handy im Schoß, als hätte sie gerade etwas in Bewegung gesetzt.